Professoren auf dem Weg der Reformation in Steyr

Waldenserdenkmal

Evangelische Grabsteine

Pfarrer Friedrich Rößler

Dominikanerkirche

Prof. Pia Ömer bedankt sich für das Kollegium der HAK Steyr

06.06.17 - Am 31. Mai machten sich viele ProfessorInnen der HAK / HAS Steyr auf den Weg, um mit Pfarrer Mag. Friedrich Rößler Spuren der Reformation in Steyr zu erkunden. Die gemeinsame Tour begann beim Waldenserdenkmal, das an die Inquisition und den Mord an den „Ketzern“ Waldenser im Jahre 1397 erinnert.


„Steyr war ein Zentrum dieser Gegenbewegung in der Kirche, die Bibellesen und einfaches Leben bevorzugte“, so Pfarrer Rößler von der evangelischen Kirche. Der Künstler Gerald Brandstötter gestaltete 1997 das Mahnmal in Form einer Flamme, das an die am Scheiterhaufen umgekommenen Menschen erinnert, daneben steht die „Hoffnung“, eine einzelne Figur, als Symbol für Toleranz und Versöhnung. Interessant ist, dass eine italienische Gemeinde in der Nähe von Turin eine exakte Kopie dieses Denkmals aufstellen ließ, weil es dort eine Waldensergemeinde heute noch gibt.

 

„Die Reformation begann in Steyr schon sehr früh, nämlich um 1520“, erzählt der evangelische Pfarrer, der mit profundem Fachwissen und vielen sozialhistorischen Details die Zeit vom Thesenanschlag 1517 bis zur strikten Gegenreformation 1627 spannend darstellte. Ein Pater Patricius im Jahre 1520 und Pater Calixtus 1525 dürften die ersten Prediger gewesen sein, die von den neuen Ideen im Verständnis der Bibel sehr beredt und überzeugend berichteten. Auch vom Kloster Garsten, einem früheren Hauptort von benediktinischer Frömmigkeit wird bei einem Visitationsbericht des Passauer Bischofs berichtet, dass nur mehr ganz wenige Mönche – eigentlich nur 4 – die Gelübde halten. Alle anderen, auch der Abt Anton Prundorfer lebten mit Frauen im Kloster. Doch die Gegenreformation zeigte sich nach 1600, indem das verpfändete Oberösterreich einen bayerischen Statthalter bekam und dieser strikt über die Wiedereinführung des katholischen Glaubens wachte. Beim ehemaligen Kloster der Cölestinerinnen, heute altes Theater, erinnerte der Pfarrer an die Bemühungen von Orden in der Rekatholisierung. Durch die Berggasse ging es vorbei an den Häusern der ehemaligen Hofbeamten des Schlosses bis zur Stadtpfarrkirche. In der Vorhalle legen viele Grabsteine Zeugnis ab für den neuen Glauben der Verstorbenen. Markant ist die – oft schwer lesbare Inschrift – mit der Formulierung der „fröhlichen Auferstehung“, was eine ganz typisch evangelische Form ist. Viele Bibelszenen auf den Grabsteinen erinnern an die evangelische Zeit. Weil der Friedhof zu klein und der Ersatzfriedhof im „Weichselgarten“ von Überschwemmungen gefährdet war, ging die Stadt 1584 zum Neubau des Friedhofs am Tabor über. Dort ist bis heute am Turm der Spruch zu lesen „Tausendfünfhundertachtzigvier baut Steyrstadt dieses Schlafhaus hier“. Das Ende der evangelischen Stadtpfarrkirche war mit 1598, nach 50 Jahren protestantischer Lehre, gekommen.

 

„Es war nur wenige Leute anwesend, da es eine Anordnung von oben war“, weiß Pfarrer Rößler. Wirklich schlimm kam es nach dem Bauernkrieg von 1625, wo der Bürger Wolf Madlseder hingerichtet wurde, weil er für die Bauern eingetreten ist. Die evangelische Schule durfte auf kaiserliche Erlaubnis im ehemaligen Dominikanerkloster eingerichtet werden. Ab 1624 erfolgte die Ausweisung der Protestanten, allein aus Steyr sind 2500 Menschen – von damals 9000 Stadtbewohnern – in die deutschen evangelischen Städte oder Länder emigriert. Zum Dank überreichte Organisatorin Mag. Pia Ömer dem Pfarrer eine kleine Geldspende für die Kirche und einen Blumenstrauß im Stile der Lutherrose.

 

Links:

500 Jahre Reformation in Steyr: http://www.evang-steyr.at/de/reformationsjubilaeum-2017

Waldenserdenkmal: https://steyrerdenkmal.wordpress.com/2013/09/03/waldenserdenkmal-am-jorg-reitter-platz/

Friedhof: https://steyrerdenkmal.wordpress.com/2013/12/24/inschrift-taborfriedhof/



Prof. Katharina Ulbrich

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